Karikatur einer Fraue, welche durchs Multitasking ins Schwitzen gerät.

Multitasking vs Singletasking

Von wegen „Frauen können mehrere Dinge auf einmal erledigen“. Ich sage dir: „no way“. In meinem Hirn streiken sämtliche Synapsen wenn ich sie parallel mit unterschiedlichen Anforderungen beanspruche. In der Folge schleichen sich Unkonzentriertheiten ein und ich vergesse bspw., dass dieses oder jenes abgesprochen wurde – obwohl es so war. Ich bin die klassische Singletaskerin: immer hübsch Eines nach dem Anderen. Mein Respekt gilt allen, die gleichzeitig effizient und erfolgreich an verschiedenen Projekten arbeiten.

Grundsätzlich gilt: natürlich kann ein Gehirn (auch meines) mehrere Aufgaben synchron erledigen. Telefonieren und währenddessen etwas visuell aufnehmen. Allerdings braucht es separate Timeslots wenn es z.B. am Handy gebeten wird, eine Terminentscheidung zu treffen während parallel per Email die Bitte reinrauscht, etwas auszudrucken. Wenn du versuchst, solche Prozesse deinem Hirn überlappend abzuverlangen, erhöht sich die Fehlerquote bei beiden Tasks. Du brauchst obendrein länger, als wenn du Beides nacheinander erledigst. Einzeln bist du einfach fokussierter und dadurch effektiver. Teste es!

Wissenschaftlich ausgedrückt: so lange du zwei verschiedene Hirnregionen forderst, gelingt dir Vieles parallel. Finden die Prozesse in nur einem Areal statt, wird es tricky. Merke: je komplexer die Aktivität, desto eher muss dein Hirn passen. Wenn dir also eine Aufgabe viel Konzentration abverlangt, blendet es andere Sinneswahrnehmungen aus.

Ein Beispiel, das du kennst

Telefonieren und Auto fahren. Soll man ohnehin nicht tun, jedenfalls nicht ohne Freisprechanlage. Nun wurde Folgendes für eine US-Studie untersucht: Testpersonen in einem Fahrsimulator sollten während des Fahrens a) telefonieren und b) eine SMS verfassen. Das Ergebnis: Ihre Leistungsfähigkeit sank um mindestens 40 Prozent. Gleichzeitig erhöhten sich die Stresswerte der Probanden erheblich. Die Fehlerquote war ähnlich hoch wie sonst nur bei betrunkenen Fahrern mit einem Promillewert von 0,8.

So ist es auch im Job. Dein Hirn wechselt bei Doppelbeanspruchung rasant zwischen den Programmen/ Anforderungen hin und her und bekommt von beidem nur die Hälfte mit! Unter diesen Bedingungen fällt es ihm um ein Vielfaches schwerer, die relevanten von den nicht relevanten Informationen zu unterscheiden.

Was möglich ist

Es gibt eine Funktion, die nennt sich Arbeitsgedächtnis. Du hast eine einfache Tätigkeit erlernt und diese läuft nun als Routine ab. Deshalb ist es problemlos möglich, im Büro einen Kaffee zu kochen, die Geschirrspülmaschine einzuräumen oder den Kopierer zu benutzen während du telefonierst.

Multitasking ist trainierbar

Begrenzt, aber ja! Neurowissenschaftler in Kalifornien haben folgendes getestet: Sie verglichen die Leistung von Probanden, die viel online arbeiten und dabei oft multitasken, mit der von Versuchspersonen, die wenig online arbeiten. Bei beiden Gruppen wurden die Aktivitätsmuster im Gehirn untersucht. Wer Multitasking gewohnt war, zeigte von Anfang an Messbares in dem Bereich des Hirns, der für strategisches und logisches Denken zuständig ist. Bei den Multitaskingunerfahrenen glich sich die Aktivität in diesem Hirnareal bald an die der 1.Gruppe an.

Allerdings wurden die Ergebnisse nicht deutlich verbessert. Das Gehirn konnte komplexe Prozesse zwar etwas schneller gleichzeitig bearbeiten, aber ganz ohne Verluste lief es nicht ab. Unseren kognitiven Fähigkeiten sind natürliche Grenzen gesetzt.

Corinna


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