Oscarreif performen – Wie du Projektarbeit erfolgreich stemmst

Projektarbeit ist eine Herausforderung. Sie kommt zunächst strukturlos daher – ohne Anfang, ohne Ende. Eine leise Stimme sagt: das schaffst du nie. Du spürst deine Widerstände. Du weisst, es wird dir Einiges abverlangen. Längst nicht alles lässt sich planen oder vorhersagen. Aber – es ist machbar. Wie kommst du gut und erfolgreich durch deine Projektarbeit? Das haben wir Bela Böke gefragt. Bela ist 47, Filmproduzent aus Allschwil. Er unterstützt uns bei Filmen und Videos rund um die Baloise als Arbeitgeberin. Nun ist Bela Böke mit Freunden ein Coup gelungen. Der Kurzfilm “La femme et le TGV” wurde in diesem Jahr für den Oscar nominiert. Eine Produktion, an der Bela wesentlich beteiligt war. Nicht nur, dass er selbst drehte, seine Firma arbel gmbh stellte ausserdem die Technik, sie wickelte die Löhne ab. Eine grosse Verantwortung.

Rahmenbedingungen festlegen

“Grundsätzlich war ich spontan begeistert”, fasst Bela seine ersten Empfindungen zusammen als Freunde mit der Filmidee auf ihn zukamen. “Die Geschichte war toll, mit 30 Minuten Länge überschaubar und ich wusste: die Jungs sind erfahren. Wir hatten schon einmal gut zusammengearbeitet. Jedoch habe ich meine Zusage an zwei Voraussetzungen geknüpft. Erstens wollte ich sicherstellen, dass ein normales Lohnniveau und keine Hungergehälter gezahlt werden. Zweites brauchte es einen Star in der Hauptrolle.”

Netzwerken und Lobbyarbeit

Gute Löhne? Ein Star im Boot? Es ging um Geld. Ein ganzes Jahr lang liefen der Regisseur Timo von Gunten und sein Produzent Giacun Caduff sämtliche Türen der Filmförderung ein, besuchten Festivals, formulierten Anfragen. “Ich glaube, wir haben am Ende tatsächlich alle Fördermöglichkeiten in der Schweiz angezapft und wir waren so erfolgreich weil die Beiden schlichtweg gut vernetzt sind in der Branche. Du musst im richtigen Moment an der richtigen Stelle fragen. Du musst eine gute Art haben, auf Leute zuzugehen und du musst Menschen überzeugen können – wie Timo und Giacun.”

Strukturierte Planung hilft jeder Projektarbeit

Natürlich geben Gönner nicht einfach so ihr Geld, für jede x-beliebige Idee. Du musst ihnen gute Argumente liefern. Etwas, das sie lieben. “So war es mit unserem Drehbuch, das wir zu diesem Zeitpunkt natürlich schon geschrieben hatten”, erzählt Bela. “Heisse Luft kauft dir niemand ab. Die Story war super: humorvoll, liebevoll, durchdacht bis ins Detail. Jeder spürte, welches Potential in ihr schlummerte und wieviel Herzblut bzw. Engagement in dem Projekt steckte. Das hat Filmförderer begeistert. Deshalb wollten sie, dass dieses Drehbuch umgesetzt wird.” Das Dossier, zu dem es gehörte, war umfangreich und enthielt einen konkreten Finanzierungsplan. Jeder, der sich damit auseinandersetzte, wusste: Ich fördere keine fixe Idee, sondern ein ernsthaftes Vorhaben.

Cool bleiben

“Im Übrigen”, erinnert sich Bela, “habe ich mich persönlich bis zu dem Zeitpunkt als klar wurde – wir haben genug Geld für die Umsetzung – nie emotional an das Projekt gebunden.  Ich wusste, ich bin unabhängig und werde auch ohne den Film mit meiner Firma weiter existieren können. Aber als es dann los ging, war ich voll dabei.”

Stars generieren Aufmerksamkeit

Zurück zum Star. Über einige Gedankensprünge und Ecken kam der Name Jane Birkin ins Spiel. 1969 sang sie gemeinsam mit Serge Gainsbourg das Lied “Je t’aime”, spielte von Mitte der 60er Jahre bis heute in unzähligen Filmen mit. Inzwischen ist sie 70 Jahre alt. Sie war die Wunschkandidatin des Regisseurs für seine Hauptrolle und weil jemand jemanden kannte, der jemanden kannte, der Jane Birkin kannte, kam die Anfrage tatsächlich zu ihr. Birkin selbst war spontan begeistert, wollte aber dennoch nicht zusagen. Für ihre Rolle sollte sie Fahrrad fahren, fühlte sich damit jedoch in ihrem Alter nicht wohl.

Flexibilität und pfiffige Ideen

“Wir mussten uns also etwas überlegen, wie wir Jane über einen Trick auf das Rad bekommen, ohne dass sie wirklich würde fahren und die Balance halten müssen.” Hier verrät Bela ein kleines Geheimnis des Filmes. “Wir haben ein Fahrrad auf einen rollenden Untersatz montiert, ein Auto davor gespannt und aus diesem Auto gefilmt, während Jane so tat, als würde sie treten. Im Film fällt das nicht mehr auf.” Birkin gefiel die Idee. Sie sagte zu. “Mit Jane Birkin hatten wir sofort auch die Presse an Bord und immer mehr Filmschaffende, die neugierig wurden. Sie alle waren für uns natürlich wichtige Multiplikatoren.”

Glück

“Man muss wirklich sagen, dass unser Film von Anfang an eine gute Schwingung hatte.” Bei diesem Satz atmet Bela rückblickend einmal spürbar durch. “Dass wir auf so viele Leute getroffen sind, die uns unterstützen wollten, weil sie wirklich mit dem Herzen dabei waren bzw. Fans von uns geworden sind. Dass Jane Birkin unserer Filmidee ihr Gesicht geben wollte. Dass wir in einem Bahnhäuschen DIE ideale Kulisse direkt an einer Zugstrecke gefunden haben. Und: dass es während der wenigen Drehtage genau dann regnete, als wir Regen brauchten – all das lässt sich nicht nur aktiv beeinflussen. Das ist auch Glück!”

Ein gut aufgestelltes Projektteam

An einem Filmset ist man Tag und Nacht beieinander. Die gemeinsame Zeit ist entsprechend intensiv. “Man lebt quasi auf einer einsamen Insel”, beschreibt Bela, “und wächst sehr stark zusammen. In den sieben Drehtagen, die wir hatten, musste jeder absolut fokussiert sein und sein Handwerk beherrschen. Du musst dich aufeinander verlassen können. Wir hatten eine vorab festgelegte Drehzeit und keinen Tag mehr.” Was dem TGV-Team in die Karten spielte, war der Mix aus alten und jungen Hasen am Set. “Du brauchst die Profis, die Ruhe und Erfahrung in die Mannschaft bringen, und du suchst die Jungen. Die, die mal etwas Neues ausprobieren wollen, die dich auf andere Ideen bringen.” Für Bela ebenso wichtig: die Arbeitsverteilung. Sicher kann es ein Projekt voranbringen, wenn Leute bereit sind, sich richtig reinzuhängen und länger zu arbeiten – so nötig. Aber brenne sie nicht aus! Setze Prioritäten, um Menschen zu schonen und spiele nie ohne Ersatzspieler!

Probleme aus dem Weg schaffen

“Der Karren darf generell nicht kippen”, warnt Bela. “Das gilt für die Einsatzbereitschaft wie für die Stimmung. Wenn es Gesprächsbedarf gibt, dann raus damit. Was zu lange schwelt, baut sich auf und wird zum Killer. Das gilt auch für die Rollen in einem Team. Wenn du merkst, jemand funktioniert nicht auf seiner Position, dann besetze um. Deine Konsequenz wirkt in dem Punkt vielleicht sehr hart, aber der Effekt wird im Sinne des Projekts spürbar.”

Finale Botschaft

“Auch wenn viel gleichzeitig läuft, verliere nie dein Ziel und deine Vision. Es ist immer wichtig, kurz mal Luft zu holen, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.”

Das kannst du für deine Projektarbeit übernehmen

Rahmenbedingungen festlegen

Spielregeln sind wichtig! Sie stecken den Rahmen für deine Projektarbeit ab: Wo geht es hin? Was ist wichtig?

Netzwerken und Lobbyarbeit

Je besser du dich vernetzt, desto grösser ist die Chance, andere für dein Projekt zu gewinnen bzw. deine Stakeholder zu finden. Jeder Input ist wertvoll. Sei offen + höre zu!

Strukturierte Planung

Je konkreter du deiner Vorgehensweise ein Gesicht gibst, desto besser werden sich andere auf dich und deine Idee einlassen können. Sie verstehen – die Sache hat Hand und Fuss – und deshalb echtes Potential.

Cool bleiben

Halte deine Emotionen in Balance! Ein kühler Kopf denkt klarer! Und häng dich nicht zu sehr a) an einzelne Ideen, b) an deine Projektarbeit als solche. Je weniger Abhängigkeit, desto weniger innerer Druck, desto befreiter kannst vermutlich agieren.

Positive Verstärkung durch “Stars”

Geschätzte und beliebte Kollegen werden deine Ideen streuen und Sympathie für die Projektarbeit wecken.

Flexibilität und pfiffige Ideen

Sei auf alle Eventualitäten vorbereitet und agil genug, auf sie zu reagieren. Querdenken und einfach mal anders machen, hilft!

Schaff dir Probleme vom Hals

Was Bauchschmerzen macht, muss in der Projektarbeit angesprochen werden.

Durchmischung im Team

Stell` dein Team so auf, dass du gegebenenfalls jeden entlasten kannst. Such dir Experten und Jungspunde, und achte darauf, wer in welcher Rolle ideal performen kann.

 

 

 


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