Eine Frau sitzt im Businessoutfit vor einem Sofa am Boden mit dem Laptop auf dem Schoss und Bauklötzen neben sich.

Gut ausgebildet, Baby und dann? – Vereinbarung von Karriere und Familie

Als fast 30er erlebe ich in meinem Umfeld einen regelrechten Babyboom. Viele meiner ehemaligen Studienfreunde gründen nach rund vier Jahren Arbeitserfahrung eine Familie. Aber was bedeutet dies für die Karrieren der jungen Mütter und Väter? Aus diesem Anlass habe ich mich einmal persönlich mit dem Thema auseinandergesetzt und möchte euch meine Gedanken nicht vorenthalten.

Früher war der Fall klar: Die Väter verfolgen weiterhin ihre begonnene Karriere und die Mütter bleiben beim Kind Zuhause. Heute ist dies anders: Spreche ich mit meinen Freunden und Bekannten, höre ich häufig von Überlegungen, in denen beide Elternteile ein Teilzeitpensum, bspw. von 70 %, anstreben und die Mütter weiterhin berufliche Ambitionen haben. Ob dies dann in der Umsetzung gelingt, ist eine andere Frage.

Kind als Karriere-Killer – muss das sein?

Generell haben viele Unternehmen erkannt, dass das Bedürfnis nach Teilzeitstellen, welche der beruflichen Erfahrung und dem Ausbildungsniveau entsprechen, rasant wächst. Dennoch hört man immer wieder, dass es schwierig ist eine passende Lösung zu finden. Gegenüber Teilzeit-Männern fehlt häufig die Akzeptanz. Wird der Wunsch nach einer, sagen wir, 30% Reduktion geäussert, ernten sie meist einen schrägen Blick und werden am Ende hinsichtlich ihrer weiteren Karriere benachteiligt. Frauen wiederum kämpfen mit dem Vorurteil einer “Rabenmutter” bei “zu hohem” Pensum oder dem Problem keine Position, welche ihrer Qualifikation entspricht, mit passendem Pensum zu finden.

Arbeitsmodelle im Wandel – Umdenken ist gefragt

Auf der anderen Seite wird von Fachkräftemangel, den nicht amortisierten Ausbildungskosten oder dem brachliegenden Potenzial gut ausgebildeter Mütter gesprochen. Weitere Gründe, weshalb es höchste Zeit ist, dass ein Umdenken über alle Unternehmensebenen hinweg stattfindet. Teilzeitmodelle sollen nicht nur ein Lippenbekenntnis sein, sondern gelebt und weiter entwickelt werden. Es bestehen viele tolle Modelle und ich bin davon überzeugt, dass es für fast jede Situation eine gute Lösung gibt.

Damit man sich ein besseres Bild davon machen kann, stelle ich euch einige Teilzeitmodelle vor und hoffe, dass Sie in naher Zukunft die Regel anstatt die Ausnahme sein werden.

  • Jobsharing: Dieses Arbeitsmodell, bei dem zwei Personen eine Stelle teilen, ist sicherlich schon den meisten bekannt, wird aber leider noch viel zu wenig gelebt.
  • Topsharing: Hier handelt es sich um Jobsharing in Führungspositionen mit einem klar definierten Anteil gemeinsam getragener Verantwortung. Dieses Modell stösst aktuell häufig noch auf Skepsis, dabei bergen sowohl Jobsharing als auch Topsharing Vorteile, wie beispielsweise gute Identität mit dem Unternehmen, höhere Produktivität oder ein höheres Reservepotenzial in Ausnahmesituationen.
  • Homeoffice-Gemeinschaft: Bei diesem Modell handelt es sich um Büroräume mit integrierter Kinderbetreuung. Ein Elternteil kann dort den Tag mit seinem/en Kind/ern verbringen, einige Stunden davon arbeiten, zwischendurch spielen und gemeinsam Mittagessen. Ideal, wenn man sein Kind nicht für 8 bis 10 Stunden in eine Kita abgeben möchte.
  • Teilzeit Invest: Die unsichtbare Teilzeit. Gearbeitet wird Vollzeit – bezahlt wird Teilzeit. Die Differenz wird als Zeit- oder Geldguthaben auf einem Konto angespart. Beziehen kann man dieses Guthabe dann beispielsweise für einen verlängerten Vaterschaftsurlaub. Der Vorteil: Das Gehalt wird in dieser Zeit weiter ausbezahlt.

Kinderbetreuung als essentieller Bestandteil für die Vereinbarung von Karriere und Familie

Aber auch für jene Personen, die ein 80 – 100% Pensum arbeiten möchten, sollte es möglich sein, dies mit der Familie gut zu vereinbaren. In dieser Hinsicht ist es meiner Ansicht nach wichtig, dass man nicht komisch angeschaut wird, wenn man nach rund 8 Stunden und vollendeter Arbeit das Büro verlässt, um sein/e Kind/er abzuholen. Dies benötigt jedoch eine ergebnis- anstatt anwesenheitsorientierte Unternehmenskultur, in der Überstunden nicht gleich bessere Leistung wahrgenommen werden. Aber auch die Kinderbetreuung ist in diesem Fall essentiell. Nicht jeder hat Eltern respektive Grosseltern, die er in die Kinderbetreuung einbinden kann oder will. Leider ist es aber nicht selbstverständlich, dass Arbeitgeber ausreichende und flexible Möglichkeiten für die Betreuung bieten und das Krippenangebot in der Schweiz ist rar und kostspielig. Folglich wird es einem auch nicht gerade leicht gemacht Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen.

Plädoyer für mehr Toleranz und Engagement

Dass es aber möglich ist, zeigen die skandinavischen Länder. Diese können eine hohe Frauenerwerbstätigkeitsquote, viele Frauen in Führungspositionen und viele Väter im Vaterschaftsurlaub vorweisen. Ich hoffe, dass sich die Schweiz eine Scheibe davon abschneidet und wir alle unseren Beitrag dafür leisten. Daher mein Aufruf zum Schluss: Seid offen gegenüber neuen Arbeitsmodellen, fordert diese ein und falls du eine Führungskraft bist, mach sie möglich.

Sandra

 

PS: Wenn ihr euch nun fragt, wie die Situation bei der Baloise aussieht, kann ich euch schon mal so viel verraten: Wir haben eine Kinderkrippe und bieten flexible Arbeitszeiten und Teilzeitregelungen an. Wie unsere Mitarbeitenden ihre Karrieren und Familien konkret vereinbaren, werde ich jedoch gerne für euch in Erfahrung bringen.


So bringen unsere Mitarbeitenden ihre Karrieren und Familien unter einen Hut

Wie angekündigt, höre ich mich in der Baloise um. Hier werde ich fortlaufend Artikel verlinken, in denen Mitarbeitende ihre Erfahrungen teilen: