drei kleinen Mädchen sitzen mit dem Rücken zur Kamera im Gras und legen einander die Arme um die Schultern

Ohne dich gibt es keine Solidarität

Wenn man in einer Versicherung arbeitet, dann macht man sich Gedanken, die sich ein Kunde nicht macht. Hauptsächlich, weil man von Beruf wegen Einblick in eine Welt hat, die andere vor allem aus der Kundenperspektive kennen. Als Branchenvertreter wird man bisweilen – wenn oft auch spasseshalber – in die Ecke der Abzocker gestellt: „Versicherungen kassieren doch nur Prämien und zahlen nie!“, heisst es vorschnell. Dabei ist der Ursprung des Versicherungsgedanken ein zutiefst sozialer und gemeinschaftlicher.

Gemeinsam sicher

Früher musste jede Familie selbst durch Sparen vorsorgen oder war im Fall eines Schadens auf nachbarschaftliche Hilfe angewiesen. Darüber hinaus bildeten sich damals Gruppen von Gleichgesinnten, um sich gegen spezielle Risiken ihres Lebens zu schützen. Aus dem 2. Jahrtausend vor Christi Geburt ist zum Beispiel be­kannt, dass sich Karawanenteilnehmer in Babylonien gegenseitig verpflichteten, Schäden gemeinsam zu ersetzen, die einem Teilnehmer dieser Reisegesellschaften entstanden.

In der Schweiz gilt der Politiker und Wirtschaftspionier Alfred Escher als so etwas wie der Vater der Versicherungen. Er war der Überzeugung, dass der junge 1848 gegründete Schweizer Bundesstaat nur dann erfolgreich sein könne, wenn es gelingen würde, den breiten Mittelstand sozial zu stabilisieren. In genossenschaftlich organisierten Lebensversicherungsvereinen sah er ein marktwirtschaftliches Instrument zur sozialen Sicherung von Bauern- und Handwerkerfamilien.

So entstanden die Lebensversicherungen wie jene der „Basler Leben“ im Jahr 1864. Bereits 1863 nach dem verheerenden Brand von Glarus erfolgte mit der Gründung der Basler Versicherung gegen Feuerschaden die Geburtsstunde der heutigen Baloise.

 

Gemeinschaft funktioniert nur, wenn sie nicht missbraucht wird

Versicherungen basieren noch heute auf einer Versichertengemeinschaft. Als Baloise koordinieren und verwalten wir diese Gemeinschaft. Sie funktioniert dann am besten, wenn sie nicht dazu missbraucht wird, unsorgfältig mit Eigentum umzugehen und unnötig Schäden auf Kosten eben jener Gemeinschaft zu generieren. Denn schliesslich steht jeder mit seiner Prämie auch für Schäden von anderen ein. Daher bin ich als Einzelner daran interessiert, dass eine Versicherung die Gemeinschaft sorgsam auswählt und pflegt. Doch der Gemeinschaftsgedanke bröckelt. All jene, die über die Jahre kaum Schäden haben, fragen sich, wieso sie für Schäden anderer einstehen sollen? Der Trend zur Individualisierung geistert auch durch die Versicherungsbranche. Die Digitalisierung macht es möglich, Daten immer besser auszuwerten, so dass Risikoprofile so verfeinert werden könnten, dass am Ende dieser Entwicklung das personalisierte Produkt steht. Jeder zahlt quasi nur für sein Risiko.

Wo hört Solidarität auf und fängt Individualität an?

Aber was würde das für den Kern der Versicherung heissen, dessen Basis die Gemeinschaft ist? Was passiert mit jenen, die aus irgendwelchen Gründen mehr Schäden verursachen als andere? Können sich diese in Zukunft noch eine Versicherungsdeckung leisten zu einem vernünftigen Preis ? Es sind spannende Fragen, deren Antworten nicht allein bei den Versicherungen liegen. Es geht um zutiefst gesellschaftliche und teils politische Fragen. Jeder wünscht sich im Alltag Solidarität, denkt dabei aber kaum an das Geschäft der Versicherungen.

Mittendrin, statt nur dabei

Wenn wir uns als Anbieter Gedanken über die Zukunft unseres Geschäftes machen, fragen wir uns auch, ob das scheinbar technisch machbare (z.B. individualisierte Tarife) auch im langfristigen gesellschaftlichen Sinne unserer Kunden ist. Das ist das Spannende an der Versicherungsbranche. Wir sind ohne Zweifel privatwirtschaftlich und gewinnorientiert organisiert. Wir stehen aber mit unserer Arbeit und unseren Dienstleistungen mitten im Leben. Wir müssen uns daher mit gesellschaftlichen, volkswirtschaftlichen und politischen Fragen auseinandersetzen. Dies verhindert langfristig auch, dass wir uns als Branche von den Bedürfnissen der Kunden entfernen. Unser Ursprung liegt in der Gemeinschaft und da liegt auch unsere Zukunft.


Der Autor:

Dominik Marbet (CH, 1973) leitet seit April 2015 die Externe Kommunikation der Baloise. Zuvor war er fünf Jahre Bereichsleiter Öffentlichkeitsarbeit und Berufsbildung des Arbeitgeberverbands Basel, davor amtete er von 2008 bis 2010 als Head of Global Media Relations bei der Ciba Holding AG. Von 2003 bis 2008 war er bei der Baloise Group zunächst drei Jahre als Head Corporate Publishing und anschliessend zwei Jahre als Leiter Kommunikation Schweiz tätig. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Basel liess sich Dominik Marbet zum eidgenössisch diplomierten PR-Fachmann ausbilden. Er besitzt zudem einen Executive Master of Science in Communications Management der Universität Lugano sowie ein CAS in Wirtschaft und Politik der Universität St. Gallen.


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