eine Frau in ihren 60er mit rotem Jackett und weisser Perlenkette, schulterlangem braunem Haar steht vor einer grünen Wand

Eine der allerersten Digitalisiererinnen | Gute Seele im Batchbetrieb

Seit 19 Jahren arbeitet Filomena Grande bei der Baloise. 17 Jahre davon war ihr Arbeitsplatz im Tiefparterre, die vergangenen zwei sass sie im 2.Stock. “Als wir umgezogen sind, habe ich mir einen Tisch am Fenster gesichert. Ich finde, ich habe ein Anrecht auf Licht bis zur Pension”, lacht die 62-jährige. Filomena überwacht im Batchbetrieb sämtliche automatisierten Prozesse. Ein Job, der kaum wahrgenommen wird im Haus. Für sie aber verbindet er sich mit echter Leidenschaft.

Wie Filomenas Karriere begann

Anfang der 70er Jahre boomte ein Job hierzulande. Gesucht wurden Data Typistinnen. Ideal geeignet waren Frauen, die schnell und fehlerfrei auf der Schreibmaschine tippen konnten. “11.000 – 18.000 Anschläge pro Stunde waren damals gefordert”, erinnert sich Filomena und ich wurde nach Anschlägen bezahlt.” Es ging im Prinzip darum, die Daten – eines Versicherungsvertrages beispielsweise – auf Lochkarten zu stanzen. Sie waren damals das Speichermedium; aus festem Karton. Die Schreibmaschine bildete die Dateninhalte durch einen Lochcode auf den Karten ab. “Am Ende eines Tages wurden sie kontrolliert und jeder Fehler bedeutete einen Abzug im Lohn.” Filomena hatte selten Abzüge.

Das Fassungsvermögen einer Lochkarte entsprach etwa 80 Byte. Damit könnte eine Hard Disk von 320 Gigabyte den Inhalt von vier Milliarden Lochkarten speichern, was einem Stapel der Karten von 680 Kilometer Höhe entsprechen würde.

Datenprozesse im Wandel der Zeit

Später wurden die Lochkarten auf Hard Disks übertragen. “Das waren riesige, sehr schwere Scheiben aus Metall. Eine fasste 3 bis 5 MB.” Filomena muss wieder lachen. Diese Disks wurden wie Schallplatten übereinander gestapelt und abgelegt. Unvorstellbar wenn man aus heutiger Sicht zurückdenkt.”

Die IBM 350 war 1956 das weltweit erste Festplattenlaufwerk. Höhe: 1.73 m, Breite: 1.52 m. Sie fasste 3,75 MB, enthielt 40 Aluminiumplatten, die auf eine Welle gestapelt wurden. Die IBM 350 wurde nicht verkauft, sondern für 650 Dollar/ Monat vermietet.

In dieser Zeit entstanden auch die ersten Computersysteme und für Filomena ging es mehr und mehr darum, diese zu überwachen. Bestandsverwaltung, Einzahlungsscheine, Mietverträge – immer verbunden mit der Frage: Läuft alles fehlerfrei? Letztlich ist genau das auch heute noch ihr Job, allerdings nun passiert Vieles vollautomatisiert.

Batchbetrieb heute

Alle Eingaben im Kundengeschäft z.B. verursachen Arbeit im Batchbetrieb bei Filomena. “Nehmen wir eine Prämieneinzahlung bei der Bank”, erklärt sie. Sobald ein Kunde seinen Beitrag überweist, erreicht mich ein Skript in Programmiersprache, dass die Überweisung vorgenommen wurde. Ich prüfe das Dokument und löse einen Batch aus, einen automatisierten Prozess, der den Fachbereich informiert: der Kunde hat bezahlt.” Genauso funktioniert es mit einer Mahnung. Bezahlt der Kunde nicht, wird ebenso ein Batch in Gang gesetzt mit der Negativinformation. “Mein Job ist es”, sagt Filomena, “zu überprüfen, dass alle Batches korrekt ablaufen. Jeder Zahlendreher in einer Versicherungsnummer z.B. führt zum Abbruch eines Batches. Dann muss ich schauen, wo der Fehler liegt, ihn korrigieren und den Prozess erneut anschieben.”

Flexibel reagieren – auch an Randzeiten

“Den Supergau gab es als wir eines Abends einen Stromausfall in Basel hatten. Da blieben alle Batches stehen. Mein Handy brummte und brummte, denn zu jedem fehlerhaften Batch erreicht mich eine SMS. Das war mühselig, alle Prozesse zu überprüfen – Wo waren sie stehen geblieben? – und dann wieder anzuschubsen.” Allerdings, selbst wenn Filomena hier beschreibt, dass diese Korrekturen eine Herausforderung darstellten, spürt man in allem ihre Freude und fast eine Art Berufung für diesen Job. Ihre Arbeit hat sich über die Jahre sehr verändert, aber Filomena ist immer dran geblieben weil sie für all diese Datenprozesse eine starke Verantwortung fühlt.  Sie verkörpert diese Arbeit im Batchbetrieb. Sie füllt sie mit ihrer Persönlichkeit aus. Ich glaube, so kann man das beschreiben.


Marco Zaugg, Teamleiter CIT DCS Customer Teams

“Filomena leistet gemeinsam mit ihrem Kollegen Didier Foltzer Grosses im Batchbetrieb. Für mich sind beide gute Seelen. Ihre Arbeit wird häufig unterschätzt oder gar nicht wahrgenommen. Ich würde mir wünschen, beide erführen mehr öffentliche Wertschätzung. Denn wenn Mahnungen nicht rausgehen, Lohnzahlungen ebenso wenig (all das funktioniert über Batches!), gäbe es einen riesen Aufschrei in der Firma. Filomena und Didier managen den Ablauf vieler geschäftskritischer Themen und bleiben dabei im Hintergrund. Nicht selten greifen sie nachts oder am Wochenende ein, damit z.B. Rechnungen korrekt und pünktlich an unsere Kunden gehen. Sie ermöglichen, dass der Fachbereich zu Beginn einer neuen Woche uneingeschränkt mit den Systemen arbeiten kann. Ich möchte ihnen beiden sehr danken. Im Übrigen, doppelt Danke an Filomena, die unsere Abteilung so oft mit den leckersten Kuchen versorgt. Jeder ist ein wahres Meisterwerk.”

 


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