Thinkathon: Einfach mal machen!

Thinkathon. Wieder so ein neuer Begriff, wieder so ein hipper Event (?). Verwirrend genug, um Neugier zu generieren, aber vielleicht auch um belächelt zu werden. Eben aufgrund dieser Wortschöpfung. Dabei ist es ganz einfach: Think, das steht für Denken und –thon entstammt logischerweise dem Marathon. Es geht also schlichtweg darum, einmal lange zu denken, sich auf Gedanken einzulassen, sich mit Denkweisen und Erfahrungen auseinanderzusetzen. Völlig unklar, was dabei herauskommt. So geschehen in den Basler Launchlabs, im Gundeldinger Feld. Anwesend: Mitarbeitende der Baloise aus verschiedensten Bereichen und Schüler, 16/17-jährig, des Münchensteiner Gymnasiums.

Experimentieren mit offenem Ausgang

“Denken ist anstrengend und deshalb machen es wenige.” Mit dieser provokanten These eröffnet Beat Knechtli aus der Baloise Organisationsentwicklung den Tag. Er und Innovationsmanager Peter Boss sind die Architekten dieses Thinkathons. Sie haben den roten Faden entwickelt und die hohe, lichtdurchflutete Halle im Industrie-Chic als Ort unserer geistigen Ergüsse gewählt. Das Prinzip: Reverse Mentoring. Was kann alt von jung lernen? Wie ticken die Schüler? Welcher Input bricht mit traditionellen Vorstellungen von der Versicherungswelt? Es geht darum, neugierig zu sein, zu forschen, Distanz abzubauen, Ideen aufzunehmen und nicht zu interpretieren. “Einfach mal machen!”, sagt Beat. “Kinder können das besonders gut. Erwachsene haben es oft verlernt.”

Los geht’s

 

 

Es ist 9 Uhr. Alle haben ein Gipfeli und ein Heissgetränk zu sich genommen. Alle wirken ziemlich gespannt, wohin diese Reise gehen wird. Auftakt bildet die so genannte Aktivierung: 30 Kreise, 180 Sekunden. Welche Dinge, welche Formen lassen sich aus diesen Symbolen erschaffen? Brillen. Fahrräder. Raupen. Gesichter. Egal, ob einer oder mehrere Kreise miteinander verbunden: die Idee ist, kreativ zu sein. Was sehe ich und was erschaffe ich aus simpelsten Formen? Was ist möglich? Die Antwort: erstaunlich viel. Unsere Phantasie funktioniert hervorragend.

 

 

Was wollen Kunden?

10 Uhr am Vormittag. Zeit für ein zweites Frühstück. Aufgeteilt in sechs Gruppen, Schüler und Baloise Mitarbeitende durcheinander gewürfelt, sollen wir Bircher Müsli herstellen. Jeweils orientiert an dem Geschmack und den Vorlieben einer anderen Gruppe. Wie immer im Leben gehen alle ganz unterschiedlich vor. Die einen sagen “nach mir die Sintflut, ich werfe zusammen was mir persönlich schmeckt”. Die anderen fragen gezielt nach. Gibt es Allergien? Was wird gern gegessen, was nicht? Mit oder ohne Honig? Letztlich entstehen verschieden schmeckende Müsli, variantenreich dekoriert. Man lernt sich kennen, erfährt vielleicht ein neues Rezept, erschafft etwas gemeinsam und die Schüler sammeln erste Kundenerfahrungen. Diese Übung bedient viele Aspekte, ergebnisoffen.

 

World Café – Fragestellungen als Gedankenreise

Vor dem Mittagessen geht es an mehreren Thementischen weiter. Jeder ist gespickt mit einer Fragestellung. In Gruppen aus Jung und Älter diskutieren wir spontan und sehr lebendig.


Wann möchte ich digital kommunizieren und wann suche ich den persönlichen Kontakt?

“Whats app, Snapchat, Instagram sind für mich schnelle Kommunikationstools.”

“Wenn es persönlicher wird, ich Missverständnisse vermeiden oder einen Streit schlichten will, rufe ich an.”

“Emails benutze ich nur geschäftlich.”


Risiko vs. Sicherheit. Wann braucht es was?

 “Wer nichts mehr zu verlieren hat, wird risikofreudiger.”

“Ich möchte, dass meine Familie, meine Freunde in Sicherheit sind.”

“No risk, no fun. Wer seine Grenzen testet, lernt sich selbst kennen.”


Dem aufmerksamen Beobachter fällt auf: diese Themen haben einerseits einen klaren Bezug zum täglichen Geschäft der Baloise, andererseits betreffen sie jeden in seinem Alltag. Der Austausch untereinander ist bunt und facettenreich. Die sehr persönliche Sicht des einen birgt den Perspektivwechsel für die anderen. Das ist der Kern des Tages: sich mit anderen Denkweisen auseinandersetzen. Neugierig bleiben! Bloss nicht in Muster verfallen.

Das grosse Finale

Den Nachmittag bestreiten wir in Zweierteams, mit der Frage: Was braucht Sicherheit? Die Antworten sind individuell. Manche sehen materielle Dinge: Erbstücke, das Eigenheim, die Absicherung im Alter. Andere Duos wollen Ideelles beschützen: Frieden, Unabhängigkeit, Erinnerungen, Wissen, Glück. In unseren Köpfen passiert viel. Wir diskutieren und denken, erste Ermüdungserscheinungen machen sich breit. Thinkathon eben. Zum Schluss gipfeln unsere Einfälle in einem Prototypen. Dabei geht es nicht um ein Ergebnis, sondern um die Möglichkeiten. Einfach mal spinnen! Wie könnte das Format aussehen, mit dem wir etwas Bestimmtes absichern wollen? Wieder ist der Output enorm. Die Ideen sprudeln. Aber nicht nur das ist beeindruckend, sondern auch die Souveränität und Klarheit der Schüler, mit der sie ihre Gedanken präsentieren. Sie sind engagiert bei der Sache. Den ganzen Tag.

It`s over when it`s over

Wenn ein ganzer Raum, eine ganze Gruppe die Daumen nach oben streckt während der Feedbackrunde, müssen die Macher dieses Thinkathons Einiges richtig angegangen sein. Es wurde gedacht, gelacht, diskutiert, gekritzelt, Energie verbraucht und freigesetzt – frei nach dem Motto: alles ist erlaubt, nichts falsch. Eine wahrhaft spannende Erfahrung, in der Menschen aus völlig verschiedenen Lebenswelten und Altersklassen auf Augenhöhe zusammentreffen und sich gegenseitig bereichern. Jeder von ihnen nimmt sein ganz persönliches Erlebnis mit. Thumbs up!

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