ein junger Mann mit Brille und stoppelkurzen Haaren sind in einem beigefarbenen Sessel

Führungskraft mit Vorbildfunktion | Selbstorganisierte Teams

Rico Meyers Job nennt sich Leiter Service Desk. Als solcher ist er gemeinsam mit zwei anderen Teamverantwortlichen für 30 Mitarbeitende zuständig. Sie reparieren kaputte Technik, prüfen Software, versorgen uns mit der nötigen Hardware, beheben grössere Störungen. “Ich habe meine eigene Interpretation von Führung”, sagt der 41-jährige. “Ich arbeite täglich daran, mich überflüssig zu machen.” Seit Anfang dieses Jahres fokussiert Rico auf eine kleinere Gruppe von sechs Kollegen/-innen. Ziel ist es, sie zu einem selbstorganisierten Team weiterzuentwickeln. Zusammen sind sie auf einem guten Weg.

Vom System Engineer zum Teamleiter

Angefangen hat Rico bei der Baloise vor 18 Jahren, damals als System Engineer und dann – so kann man das sagen – kam er ganz gut herum. Er betreute IT-Projekte – schweizweit wie gruppenweit, auch für die Baloise Bank SoBa. Mit seiner Assistenzstelle für den Chief Information Officer erschloss sich Rico eine andere Perspektive. All diese Aufgaben umfassen ca. 13 Jahre. Danach fragte er sich häufiger: Könnte er auch Menschen führen? Wie würde sich das anfühlen? Führung setzte Rico damals gleich mit Macht, Einfluss, Entscheidungen und Meeting-Marathons, “aber so wollte ich diese Rolle nicht ausfüllen. Es liegt nicht in meinem Naturell, für andere zu entscheiden oder Aufträge zu vergeben.”

Neues Führungsverständnis

Als Rico seine erste Führungsrolle übernahm, stand eines fest: Die Mitarbeitenden müssen ihre Arbeit in Gänze verstehen. Sie müssen den Sinn erkennen, Problemstellungen und Projekte in dem Mass durchschauen, dass sie eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können. Die Idee, die hinter Ricos Führungsverständnis steckt lautet – selbstorganisierte Teams. “Kommt also ein Kollege/ eine Kollegin auf mich zu, will sich absichern und fragt mich um Rat, dann stelle ich Gegenfragen. Ich verstehe das als kleine Animation. Die Denkprozesse, die ich so bei ihnen anrege, führen sie selbständig zu ihren Antworten. Sie gelangen zu ihrer ganz eigenen Überzeugung.”


Anke Goossens, Problem Management, Corporate IT

Wenn wir Fragen haben, ist Rico für uns da, aber er gibt keine Antworten. Er löst nicht das Problem für uns. Er antwortet vielmehr mit Fragen. Was? Wieso? Was nicht? Wieso nicht? Was braucht es, damit …? Rico lässt uns alles noch einmal durchdenken. So finden wir die nächsten Schritte schlussendlich selbst. Das ist nicht immer leicht, aber es hilft mir persönlich, eine Situation besser zu verstehen. Manchmal auch mich selbst. Rico ist in unserem Team mehr Begleiter als Chef. Er inspiriert uns und vermittelt Informationen über das was in- bzw. ausserhalb der Baloise läuft. Er teilt interessante Bücher und Links zu Präsentationen. Er motiviert und regt uns an, kritisch zu sein, das Bestehende zu hinterfragen bzw. Neues auszuprobieren. Genau das lebt er auch vor. Gerade erarbeiten wir als Team Spielregeln für unsere Zusammenarbeit. Ich freue mich sehr auf all die Herausforderungen, die noch auf uns zukommen!


Selbstorganisierte Teams | Das heisst “Führung abgeben”

Ricos Mitarbeitende gestalten ihre tägliche Arbeit selbst, auch Ferien und Anwesenheiten. Wer übernimmt was? Wer fühlt sich zuständig? Wann werden Jobs erledigt? Das Team hat seine eigenen Rhythmen. Eventuelle Konflikte sollen durch eine offene Feedbackkultur vermieden werden. “Wir sprechen die Dinge rechtzeitig an und verstehen Kritik als etwas Lösungsorientiertes. Es geht nicht darum, zu jammern oder Dinge anzuprangern, sondern das Team als solches voranzubringen”, erklärt Rico. “Wenn wir über unsere Probleme sprechen, helfen wir einander besser zu verstehen. Das funktioniert gut.”

Wer nun denkt, dieses Team aus Incident und Problem Managern würde sich womöglich in Diskussionen verstricken, der irrt. “Wir arbeiten konsentorientiert. Konsent mit T! Das ist effektiver als Konsens. Im Konsent entscheidet nicht demokratisch die Mehrheit, sondern das beste verfügbare Argument. Nur ein schwerwiegender Einwand – wenn sich also jemand absolut blockiert fühlt mit dem Vorschlag – kann die Entscheidung verhindern.” Umgekehrt heisst das: Wenn gut nachvollziehbare Argumente auf dem Tisch liegen und alle verstehen, was zu entscheiden ist, kommt man meist schnell zu einem Ergebnis.

Selbstorganisierte Teams | Immer voraus denken

Dass ein Help Desk, in dem Rico als Teamleiter verantwortlich ist, von Unternehmen outgesourced, also aus der jeweiligen Firma ausgegliedert wird, um Kosten zu sparen – ist vielerorts bittere Realität. “Damit müssen wir uns aktiv auseinandersetzen und können uns nicht wegducken. Deshalb ermuntere ich mein Team, sich unentbehrlich zu machen. Was kann jede(r) zusätzlich zu seiner täglichen Arbeit bieten? Wodurch schafft er/sie der Baloise einen Mehrwert?” Mit dieser proaktiven Einstellung haben sich bereits einige Mitarbeitende in ihrem Portfolio breiter aufgestellt. Mancher IT’ler vermittelt nun Aufklärung zum Thema Cyber-Security, ein anderer gibt Kommunikationsschulungen für Help Desk-Mitarbeitende, ein Dritter produziert Imagefilme für die Baloise. Win Win!

Vorbildliche Führung bedeutet Weiterentwicklung

Auch Rico hat in seiner Zeit als Teamleiter eine Menge gelernt. “Vor allem über mich selbst.” In entsprechenden Schulungen erfährt er, wie er Feedback idealerweise adressiert und welcher Führungstyp er ist. “Ich entscheide oft aus dem Bauch heraus. Es muss sich gut anfühlen, ich muss überzeugt sein. Dann ist es für mich der richtige Weg.” Das versucht er auch seinem Team zu vermitteln. “Für mich ist das Loslassen als Chef alternativlos. Mündige Mitarbeitende schauen über ihren eigenen Tellerrand hinaus, arbeiten mit Leidenschaft und Motivation. Aus ihrer Überzeugung entsteht Verantwortung. Das bringt uns alle voran.” Zum Schluss hat Rico noch ein Zitat parat, das seine eigene Überzeugung untermauert.

“If you put fences around people, you get sheep.”


Jo Bleyen, Help Desk Incident Management, Corporate IT

Ich sehe Rico weniger als “Chef”, dafür mehr als “Coach”, und so kommunizieren wir auch miteinander. Er begleitet uns, trifft aber selbst keine Entscheidungen. Wir im Team finden allein unsere Antworten. Rico als Coach versucht das Beste aus uns allen herauszuholen. Jeder hilft jedem, damit wir als Team zusammen vorwärts gehen. Ich schätze Rico sehr. Für ihn ist es auch ein Abenteuer. Wir alle lernen Selbstorganisation gerade erst kennen und sind auf einem guten Weg. Wir tauschen uns wöchentlich aus und hinterfragen uns. Es ist toll, gemeinsam mit den Kollegen/-innen eine neue Art der Zusammenarbeit zu entwickeln.


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