Freiwilligeneinsatz Entlebuch | Ein Selbstversuch

Es ist der letzte Tag im August, 6 Uhr morgens, mein Wecker klingelt. Müde schleppe ich mich ins Bad, von dort in die Kleidung und weiter zum SBB, dem Bahnhof in Basel. 8 Uhr sind wir Freiwilligen in Luzern verabredet. Entsprechend zeitig geht es los und ich gähne unentwegt. Das Wetter ist nach vier heissen, trockenen Sommermonaten zum ersten Mal grau, regnerisch, neblig. Es soll im Übrigen auch den ganzen Tag regnen. “Perfekte” Bedingungen für einen Arbeitseinsatz bei Bauern in der Biosphäre Entlebuch. Mein Rucksack ist schwer. Zum Wechseln habe ich alle Kleider doppelt dabei.

Die Anreise

In Luzern findet sich das Grüppchen freiwilliger Helfer zusammen. Praktisch ausgestattet, mit wetterfester Kleidung und bester Laune. Auch wenn sich nicht alle kennen, wird ziemlich schnell ziemlich intensiv geplaudert. Viel Energie für einen Arbeitstag ganz anderer Art. Von Luzern geht’s mit dem Zug nach Wolhusen und mit dem Postauto weiter nach Romoos. Von dort werden wir privat in die Biosphäre gebracht und zunächst auf ein Znüni eingeladen. Brot, Käse und dicke Würste. Super gastfreundlich, aber offen gestanden, steht mir um diese Uhrzeit noch wenig der Sinn nach Würsten.

Der Einsatz

Jakob ist der Bauer, dem wir heute helfen werden. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt er dort in den grünen Almen der Biosphäre. Heute im Nebel sind sie nur schwer auszumachen. Während es ohne Unterlass sprühregnet, erzählt er uns von unserem Einsatz: ein Steilhang, viel Gestrüpp, mehrere Mistgabeln – los geht’s – zunächst per Traktor an den Einsatzort. Dort angekommen stehe ich an diesem Hang, schaue hinab und tatsächlich ist er ordentlich steil, sein Boden matschig durchweicht vom Regen. Meine festen Turnschuhe wollen keinen Halt finden. Deshalb muss ich passen, die anderen allein lassen und bekomme eine Sonderaufgabe. Ich schneide einen Fahrweg frei, der stark zugewuchert ist von sämtlichen Pflanzen, die ihn flankieren.

Die Eindrücke

Meine erste Erkenntnis: diese grosse Zange, mit der sich Äste relativ einfach beschneiden lassen, ist überraschend schwer und ich bin ziemlich klein. Heisst: die oberen Äste lachen sich über mich schlapp. Ausserdem bin ich ruck zuck pitschenass. Nicht nur weil es eben regnet, sondern weil natürlich auch eben jene Äste, die ich beschneide, voller Tropfen hängen. Aber toll: Es ist etwas ganz Anderes als der tägliche Bürotrott, die Luft ist frisch, die körperliche Aktivität tut gut. Je weiter ich vordringe im Dickicht, desto lauter glöckeln die Kühe in den Wiesen. Voilà, eine ¾ Stunde später stehe ich ihnen gegenüber. Passiert mir nie am Aeschengraben. 😉 Die vier anderen unserer freiwilligen Gruppe stehen im Steilhang und holen mit ihren Mistgabeln alles Gestrüpp in den Grund, das der Bauer herunter gehäxelt hat. Feine Regentröpfchen perlen in ihren Haaren, auf ihrer Kleidung, aber alle sind happy und rotwangig. Ihr Einsatz wird von permanenter Plauderei begleitet.

Der Abschluss

Nach etwa drei Stunden ist unsere Arbeit getan und der Steilhang kaum wiederzuerkennen. Äste, Sträucher sind von oben nach unten geharkt, nächste Saison wird hier Gras wachsen und werden hier Kühe weiden. Wir springen erneut auf den Hänger des Traktors und zurück geht es ins Bauernhaus zum Mittagessen. Es gibt Nudeln mit Gulasch und jeder von uns bringt eine gehörige Portion Schlamm mit: die Hosen, die Schuhe – alles ist dreckig. Auch wenn es nur ein knapper Vormittag war, ich behaupte jeder von uns hat die ungewohnte Arbeit in seinem Körper gespürt. Allerdings fühlt sich genau das gut an. Sicher: ich möchte deshalb nicht umsatteln und plötzlich dauerhaft gärtnern, aber als Abwechslung vom Alltag war dieser Einsatz in der Biosphäre perfekt.

Die Kontakte

Besonders eindrücklich war mein Erleben meiner Mit-Freiwilligen: Wir haben uns ganz anders kennengelernt, als es im Job je hätte der Fall sein können. Hier in der Natur zeigt sich wer wie anpackt, wer zu einem echten Alleinunterhalter avanciert und wer sich auch mal zurücknehmen kann. Ich zum Beispiel, bin eigentlich oft genug diejenige, die andere problemlos in lebendige Gespräche verwickelt. Heute in dieser Runde bin ich kaum zu Wort gekommen und ich habe es genossen. Schön zu sehen, wenn Menschen offenbar so viel Freude an einem gemeinsamen Erlebnis haben. Schön zu sehen, was so ein Einsatz aus Kollegen/-innen macht. Ein besonderes Netzwerk – entstanden in ungewohnter Umgebung fernab des Jobs. Wer weiss, wofür es noch gut sein wird.

Corinna


Mehr Baloise Geschichten. Lies weiter!