Ein Business Mann hängt an einem Ast an einer Felswand und droht, zu fallen.

Scheitern, aufstehen, weiterentwickeln – Die erste Baloise Fuck Up Night

Scheitern ist reproduzierbar. Vom Scheitern anderer können wir lernen. Also, warum erzählen wir uns so selten von unseren Niederlagen? “Bilateral passiert es”, sagt Beat Knechtli aus der Baloise Organisationsentwicklung. “Beim Lunch tauschen sich viele KollegInnen über das aus, was ihnen nicht gelungen ist, aber in grösserer Runde verschweigen wir diese Erlebnisse besser.” Zusammen mit anderen Mitarbeitenden will er an eben diesem Umstand rütteln. Sie veranstalten die erste Fuck Up Night bei der Basler Versicherung. Das Personalrestaurant ist kein zufällig gewählter Ort für den Event.

Niemand ist immer nur erfolgreich

Ja, der Titel ist ein unanständiger und von den versprengten 15 Leuten zu Beginn der Veranstaltung weiss niemand so recht etwas mit der Fuck Up Night anzufangen. Das aber wird sich in den kommenden zwei Stunden ändern. Der Event ist ein Experiment. “Wenn er schief geht, auch gut. Dann lasst uns darüber sprechen und besser werden”, fordert Beat sein Auditorium auf. Eben das ist der Gedanke für diesen Abend: Lernen aus den Fehlern anderer. “Ich habe ausreichend Fehler gemacht, über die ich berichten könnte”, lacht Sonja Hof aus der Baloise IT. Auch sie hat diese Idee mit vorangetrieben. “Steter Erfolg ist eine Illusion. Wer das von sich behauptet, dem fehlt die Selbstwahrnehmung. Das gilt für Menschen wie für Firmen. Perfektion entsteht aus einer Kette gescheiterter Versuche.”

Logik und Struktur der Fuck Up Night

Jeder Sprecher an diesem Abend erhält 8 Minuten, um seine Geschichte zu erzählen. Es geht darum, das Scheitern zu benennen, den eigenen Anteil zu erkennen und aus dieser Erkenntnis eine Weiterentwicklung zu erfahren. Im Nachgang zu jeder Story gibt es die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Jene drei Erfahrungen, die wir bei der 1.Baloise Fuck Up Night hören werden, sind sehr unterschiedlich weil sehr persönlich. Inzwischen ist das Restaurant gut gefüllt. Knapp 40 Personen sind es wohl.

 

Ihren Ursprung hatten solche Events im Übrigen in Mexiko. Vier befreundete Unternehmer tauschten sich bei einem Bier über ihre Misserfolge aus und nahmen Lernerlebnisse mit. Inzwischen haben sich Fuck Up Nights viral auf der ganzen Welt verbreitet.

Wenn es dich betrifft, betrifft es auch andere

Die wohl intimste Geschichte erzählt der dritte Referent an diesem Abend. Sehr selbstironisch, sehr reflektiert beschreibt er einen von sich stark überzeugten Charakter, der er selbst einmal war. Ein Mann, der sich locker zutraute ein Team von zehn Mitarbeitenden zu führen. Noch als er damit scheiterte, und als ihm das sogar gespiegelt wurde, war sein Selbstvertrauen ungebrochen. Er strebte nach einer Verantwortung über 40 Leute. Sein Fall kam prompt und mit ihm eine Lebenskrise, die ihn bis ins Private, bis in seine Ehe, verfolgte. Als Zweifel und Pein ihn derart erdrückten, wählte er den Weg in eine Therapie und er beschreibt diese Erfahrung als Lebensausbildung. Das klingt ganz anständig nach Läuterung, ist es letztlich aber auch. Er war offen für Feedback, suchte Hilfe und Unterstützung, und er war mutig genug, etwas zu verändern. Respekt!

Was soll eine Fuck Up Night erreichen?

“Wir wollen die Mitarbeitenden auch mit unbequemen Themen konfrontieren”, sagt Beat. “Die Baloise bezeichnet sich stets als Innovator, als Visionär. Ja bitte, dann lasst Taten folgen. Indem wir anerkennen, dass wir Scheitern, schaffen wir eine neue Fehlerkultur. Ja, wir versuchen voranzugehen – aber hey, Niederlagen gehören in diesem Prozess dazu. Das ist in Ordnung.” Baloise Group CEO Gert De Winter ist beeindruckt von dem sehr privaten Erlebnis, das unser dritter Sprecher von sich preisgegeben hat und er artikuliert es auch. Es passt zu einem Credo, das Gert jedem Mitarbeiter mit auf den Weg gibt. “Frage nicht um Erlaubnis, bitte höchstens um Vergebung (wenn du gescheitert bist)”. Dies ist der Spirit, durch den in der Baloise eine kreative, innovative Szene wachsen soll. Misserfolge machen uns schlauer.

Wie geht es weiter?

Der Wunsch ist, dass aus dieser Fuck Up Night eine regelmässige Veranstaltung entsteht. Jeder, der eine Geschichte erzählen kann und bereit ist, das zu tun, nutzt hoffentlich die nächste Gelegenheit. Entweder stellt er selbst einen Event auf die Beine oder meldet sich bei unseren Fuck Up Pionieren. Hauptsache, die Idee bleibt lebendig! Auch die Stadt Basel veranstaltet Nächte grosser Niederlagen. Scheiter- und Lernwillige: herzlich willkommen.


Die Baloise denkt öfter mal quer. Lies weiter


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