Baloise Jobcast #2: Einstellungstests mit Barbara Kissling

Wie setzen Firmen Einstellungstests ein? Kann man dabei “durchfallen”? Wie verhält man sich in der Probezeit? Darüber unterhalten wir uns mit unserer Kollegin und Persönlichkeitspsychologin Barbara Kissling in der zweiten Folge des Baloise Jobcast.

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Show Notes 

Barbara Kissling hat ein Lizentiat in differentieller und in Persönlichkeitspsychologie, 15 Jahre Erfahrung im Bereich Ausbildung, Coaching und Training arbeite in der Führungsentwicklung bei der Baloise als Programmmanagerin.

Was sind deine Aufgaben bei der Baloise?

[spp-timestamp time=”01:09″]: Ich bin für die Entwicklung von Führungskräften zuständig. Beispielsweise erhalten Leute, die frisch eine Führungrolle übernehmen, eine Ausbildung. Für die Inhalte und Durchführung solcher Programme bin ich zuständig. Daneben biete ich innerhalb von der Baloise auch Coachings und Teamentwicklungen an. Das kann eine Standortbestimmung sein, um so eine bessere Zusammenarbeit aufzubauen.

Du sprichst von der Führungsentwicklung als “Programme”. Wie muss man sich das vorstellen?

[spp-timestamp time=”02:16″]: Wir gehen mit der ganzen Ausbildungsgruppe an einen externen Ort – das nächste Mal sind wir in einem Seminarhotel in Deutschland – und haben dort drei intensive Tage. Dort geht es darum, sie herauszufordern, aus der Komfortzone zu locken, um so ihre Grenzen und Handlungsspielraum auszuweiten und einen eigenen Führungsstil entwickeln.

Du bist Persönlichkeitspsychologin. Wenn man sich bei Firmen bewirbt, wird man ja gelegentlich mit Einstellungstests konfrontiert. Welche Tests gibt es denn?

[spp-timestamp time=”03:01″]: Einstellungstests werden immer häufiger angewendet. Ein Ziel ist, mit Hilfe dieser Tests eine erste Auswahl von Bewerbern vorzunehmen. Die Tests sind dabei ganz unterschiedlich. Die zwei grossen Testgruppen sind Persönlichkeitstests und Leistungstests. Firmen setzen oft eine Kombination solcher Tests ein – beispielsweise, um die sozialen Kompetenzen zu prüfen, oder um zu prüfen, wie schnell ein Bewerber denkt oder wie gut sein logisches Denkvermögen ist. Es lassen sich aber auch Wissen oder sprachliche Fähigkeiten testen.

Es geht also entweder darum, wer man ist (Persönlichkeitstests) oder was man kann (Leistungstests). Kann man sich als Bewerber auf solche Tests vorbereiten? Soll man das?

[spp-timestamp time=”04:38″]: Es hilft, wenn man sich vorab auf dem Internet darüber informiert, welche Art von Tests grundsätzlich kommen könnten. Die Tests können recht abstrakte Situationen sein, und es hilft, wenn man die Verfahren ein wenig kennt. Sich aber konkret darauf vorzubereiten ist schwierig.

Wobei helfen Persönlichkeitstest am besten?

[spp-timestamp time=”05:06″]: Wir setzen Persönlichkeitstest in Auswahl unserer Nachwuchskräfte ein. Der Einstellungstest ist jedoch nur ein Bestandteil des gesamten Verfahrens und sicher nicht der ausschlaggebende Teil. Extreme Werte aus den Tests – nach oben oder nach unten – haben wir uns angesehen und im ersten Gespräch geklärt.

Ich halte es für bedenklich, rein aufgrund von Testergebnissen eine Absage auszusprechen und vermute, das die meisten Firmen das auch nicht tun. Als Kandidat hat man das Recht, zu wissen, was die Tests ergeben haben. Gerade im Falle einer Absage würde ich unbedingt nach den Gründen fragen und um Ehrlichkeit bitten.

Test, das klingt bedrohlich. Kann man bei Einstellungstests “durchfallen”?

[spp-timestamp time=”06:04″]: Bei den Persönlichkeitstest geht es um einen ersten Eindruck, dort also ganz klar nicht. Bei den Leistungstests könnte ich mir vorstellen, dass es bei manchen Stellen einen gewissen Schwellenwert braucht, um zum Gespräch eingeladen zu werden.

Was kann man aus einem Persönlichkeitstest für sich selbst herausziehen?

[spp-timestamp time=”06:30″]: Es ist sehr wichtig die Testergebnisse nach der Auswertung zu besprechen, um einen Nutzen zu gewinnen. Einfach nur die Fragen auszufüllen und die Ergebnisse zu lesen, das bringt nicht viel, da der Interpretationsspielraum gross und die Beschreibung oft technisch ist.

Wenn man mit Führungskräften zu tun hat und coacht, braucht man da viel Empathie?

[spp-timestamp time=”07:15″]: Ich staune immer, wie unterschiedlich Führungskräfte ticken. Gewisse sind sehr faktenorientiert, die wollen einen Rahmen und einen Dialog mit erfahrenen Kollegen. Die wollen dann wissen, welche Fragen gestellt werden, wie viel Zeit sie haben, und so weiter. Eine andere Führungskraft kann daneben viel mehr auf der Metaebene unterwegs sein und sich einfach über Trends in der Führungslandschaft unterhalten. Der Wechsel vom einen ins andere Extrem ist schon erstaunlich.

Was funktioniert besser: Ein Team, das sehr verschiedene Persönlichkeiten hat, oder eines, das sehr ähnliche Persönlichkeiten hat?

[spp-timestamp time=”08:41″]: Früher hatte man eine starke Aufgabenteilung in der Arbeitswelt: Jeder Mitarbeiter wusste ganz genau, was seine Aufgaben waren. Davon kommen wir immer mehr weg. Heute sind die Aufgaben viel mehr projektgesteuert, und es deshalb auch nicht mehr so klar ist, wer was machen wird in der Zukunft. Das bedingt, dass ein Team eher divers ist, unterschiedliche Charaktere aufweist, damit man vorbereitet ist. Wenn ein Team zu ähnlich ist, dann hat man einen weniger breiten Blick, und es kann weniger Kreativität entstehen.

Was möchtest du unseren Bewerbern mit auf den Weg geben?

[spp-timestamp time=”09:47″]: Meine Tipps sind:

  • Sei dich selbst, denn man merkt im Bewerbungsgespräch, wie authentisch jemand ist.
  • Sympathie ist ein wichtiger Faktor in der Auswahl von Mitarbeitern. Wenn die grundlegenden Voraussetzungen (Erfahrung, Ausbildung) erfüllt sind, dann zählt bei der Selektion zwischen verschiedenen Bewerbern oft die Sympathie.
  • Sei dir bewusst, dass der Bewerbungsprozess erst mit der Probezeit abgeschlossen ist. Diese ersten 100 Tage sind eine heikle Phase, und ich würde in dieser Zurückhaltung empfehlen. Sag oft “ja”, sei nicht zu rebellisch, übertreib es nicht mit der Kritik. Versuche die Regeln im Team zu verstehen und geh mit dem Fluss mit.
  • Such dir einen Mentor oder “Götti”, das heisst jemanden, den man bei Fragen ansprechen kann, wenn die Firma eine solche Person nicht bereits definiert hat.

So könnt ihr den Baloise Jobcast abonnieren

[spp-timestamp time=”14:01″]: Wenn ihr in Zukunft keine Folge mehr verpassen wollt, dann abonniert uns doch einfach. Wie das geht findet ihr unter baloisejobs.com/podcast-abonnieren