Sibylle Fischer und Patrick Wirth, Mitglieder des Baloise Investment Committees.

„Zu viert über Millionen entscheiden“ – wie Baloise in die Zukunft investiert

Die Baloise Group geht mit der Investment- und Beratungsfirma Anthemis Group eine FinTech-Investmentpartnerschaft ein. Sibylle Fischer und Patrick Wirth sitzen zusammen mit Anthemis am Steuer dieser Zusammenarbeit. Wir haben ihnen dazu ein paar Fragen gestellt.

Baloise Investment Committee als Treiber für Innovation

Ihr seid seit Kurzem Mitglieder des Baloise Investment Committees. Was sind die Aufgaben dieses Gremiums?

Patrick: Das neu geschaffene Investment Committee der Baloise entscheidet über Investitionen in Startups, welche zu unserer Unternehmensstrategie Simply Safe passen.

Sibylle: Gemeinsam mit Anthemis, welche auf die Marktsondierung und Beurteilung potentieller Investitionen spezialisiert sind, suchen wir passende Startups und fällen gemeinsam Investment- aber auch Divestemententscheide.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Anthemis?

Patrick: Im Investment Committee arbeiten wir eng mit zwei Mitarbeitenden von Anthemis zusammen. Diese Kollegen unterstützen uns insbesondere darin, den Markt zu sondieren und potenzielle Investitionen zu bewerten. Gleichzeitig können wir auf die Expertise von Anthemis bei der Bewertung und der juristischen Beurteilung von Start-ups zurückgreifen. Den Match auf unser operatives Geschäft und auf unsere Strategie machen vor allem wir.

Sibylle: Für einen Investitionsentscheid ist ein Mehrheitsentscheid des Investment Committe (IC) notwendig, das bedeutet mindesten drei der vier IC-Mitglieder müssen sich für die Investition in ein spezifischen Start-up aussprechen. Dadurch wird die Qualität der Investitionen gewährleistet.

Investitionen in Startups

Was beabsichtigt die Baloise damit?

Sibylle: Mit den Investitionen in Startups möchten wir primär eine Rendite erzielen, da es sich um Gelder von unseren Kunden handelt, mit denen wir verantwortungsvoll umgehen. Zusätzlich geht es aber auch darum, von den jungen Unternehmen zu lernen und dadurch die digitale Weiterentwicklung der Baloise voranzutreiben. Darüber hinaus gibt es weitere Aktivitäten innerhalb der Baloise, mit dem Ziel, Kooperationsmöglichkeiten zu prüfen. Dazu gibt es ein extra Scouting Team, dass mit Hilfe von verschiedenen professionellen Partnern und Plattformen bereits erste tolle Erfolge vorzeigen kann. Unsere Kunden profitieren bereits in Form von extrem einfachen Produkten wie die Gegenstands- oder die Uhrenversicherung welche in Zusammenarbeit mit Kasko bzw. Snapsure in Rekordzeit realisiert wurden.

Was für Startups kommen für Investitionen in Frage?

Sibylle: Sie müssen in irgendeiner Form mit der heutigen oder zukünftigen Geschäftstätigkeit der Baloise zu tun haben.

Patrick: Genau, sie müssen zu unserer Wertschöpfungskette passen. Wir werden also nicht in Ingenieursthemen investieren und den nächsten Tesla erfinden. Naheliegender sind beispielsweise Themen in Richtung von künstlicher Intelligenz und Machine Learning.

Sibylle: Zu möglichen Richtungen hat sich die Baloise auch schon einige Gedanken gemacht, worüber am Investorentag im letzten Herbst auch schon berichtet wurde.

Steht ihr mit den Startups in Kontakt? Arbeitet ihr mit Ihnen zusammen?

Sibylle: Klar, wir werden mit diesen Unternehmen in Kontakt stehen. Wie ist jedoch noch offen. Der Kontakt ist wesentlich, um einerseits zum richtigen Zeitpunkt einen Divestitionsentscheid fällen zu können. Andererseits möchte die Baloise von den Startups lernen können.

Patrick: Wir haben ein grosses Interesse daran, die Startups kennen zu lernen und zu verstehen. Bei Startups ist vieles abhängig vom Management; daher möchten wir die Gründer kennenlernen, um zu spüren: Wollen sie es, können sie es und sind sie in der Lage, ihre Geschäftsidee erfolgreich umzusetzen? Dafür reicht eine Präsentation nicht aus. Wir werden diese Startups besuchen und im regelmässigen Austausch mit ihnen stehen.

Ebenso wichtig ist jedoch der Austausch auf der operativen Ebene. Zum einen werden wir prüfen, wie wir die Startups unterstützen können. Zum anderen werden Spezialisten beider Seiten im Austausch stehen, um voneinander lernen zu können.

Von operativen und strategischen Erfahrungen profitieren

Sibylle, welche Erfahrung bringst du von deinem bisherigen Aufgabengebiet im Bereich Group Strategy & Digital Transformation mit, welche für deine neue Funktion hilfreich ist?

Sibylle: In M&A-Projekten ist es wichtig, sich in kurzer Zeit eine Meinung über ein Unternehmen bilden zu können. Diese Fähigkeit konnte ich mir bereits in der Vergangenheit aneignen, da sich meine bisherige Funktion ebenfalls mit Transaktionen befasste. Diese Erfahrung wird mir sicherlich helfen, mir in kurzer Zeit eine Meinung über ein Unternehmen zu bilden und Chancen und Risiken abzuwägen.

Patrick, als Leiter Produktmanagement Unfall/Kranken kommst du aus dem Kerngeschäft. Wie kannst du deine Erfahrungen einbringen?

Patrick: Meine Erfahrungen sind besonders hilfreich für das operative Matching. Ich habe in meiner Zeit bei der Baloise schon viele Prozesse kennengelernt und bin gut vernetzt. Dadurch kenne ich die aktuellen Themen und weiss, auf wen ich zugehen muss, der mir bei der Beurteilung helfen kann ob sich das Fachgebiet eines Startups mit unseren Geschäftsfeldern verknüpfen lässt. Ausserdem helfen uns die Kollegen  das Geschäftsmodell, die Technologie und weitere Punkte der Startups im Detail zu prüfen.

Was macht euch besonders Spass an eurer Arbeit im Investment Committee?

Sibylle: Es ist grossartig, in die Startup-Szene einzutauchen und zu sehen, welche neuen Ideen vorhanden sind. Es ist bereichernd, die herrschende Agilität zu erleben.

Patrick: Genau – und zusätzlich die Möglichkeit zu haben, mit dieser Agilität Schritt halten zu können, durch die Bedingungen gezielt in Startups zu investieren und von ihnen zu lernen.

Das heisst, ihr könnt im Investment Committee zu viert entscheiden in welche Startups ihr die 50 Millionen investiert?

Sibylle:  Ja. Die zwei Vertreter von Anthemis und wir stimmen ab und es braucht jeweils mindestens drei von vier Stimmen für einen Investitionsentscheid. Aber natürlich stehen wir im regen Austausch mit dem Top-Management. Ausserdem werden wir von einem Advisory Board beraten, welches sich u.a. aus Geschäftsleitungsmitgliedern aller Ländergesellschaften zusammensetzt. Deren langjährige Versicherungserfahrung und strategische Weitsicht ist extrem wertvoll. Aber wir müssen natürlich auch fähig sein, mit kontroversen Entscheiden umzugehen.

Patrick: Der Austausch mit dem Top-Management und dem Advisory Board ist insofern essentiell, als dass es nicht nur um Investitionen geht sondern auch darum, zu lernen. In diesem Punkt sind wir auf Spezialisten aus den Ländereinheiten angewiesen, welche Zeit zur Verfügung gestellt bekommen, um von den Startups operativ zu lernen. Dies ist nur möglich, wenn jemand aus dem Management dahintersteht. Somit ist es auch Teil unserer Aufgabe, das Top-Management und Advisory Board von unseren Investitionen zu überzeugen. Nur so kann der Know-how Transfer ins Unternehmen sichergestellt werden.

Die Brücke zwischen Neu und Alt schlagen

Was sind für euch die Herausforderungen der neuen Funktion?

Sibylle:  Durch unsere Grösse ist die Baloise erwartungsgemäss weniger agil als kleine Startups. Dabei ist der Wissenstransfer vom schnelllebigen Startup in die Baloise und auch vice versa sicherlich eine der grössten Herausforderungen.

Patrick: Die hohen Erwartungen zu erfüllen. In allen Ländergesellschaften der Baloise bestehen bereits rege Kontakte zu Startups. Gleichzeitig erhöhen wir die Dynamik durch die Partnerschaft mit Anthemis zusätzlich.  Wir sind schnell begeisterungsfähig und sehen die tollen Ideen, aber haben noch nicht das Gespür, gut von sensationell zu unterscheiden. Somit ist die Unsicherheit noch gross und wird durch die heterogenen Anforderungen verstärkt.

Welche Fähigkeiten und Profile werden wir in Zukunft brauchen, um uns im Markt behaupten zu können?

Sibylle: In Zukunft benötigen wir sicherlich mehr Personen, welche Erfahrungen hinsichtlich Design Thinking und agilen Methoden mitbringen. Aber auch eine hohe Frustrationstoleranz, da es nicht einfach ist, das Neue ins Alte zu bringen.

Patrick: Das sehe ich auch so. Aber es brauch neben den „innovativen“ Personen auch noch zwei weitere Typen: Nämlich die „Soliden“, die in kleinen Schritten verbessern und das heutige Geschäft sicherstellen, bis auf weiteres unsere Grundfeste, sowie die „Vermittler“, welche die beiden Typen zusammen bringen und die Brücke zwischen „Alt“ und „Neu“ schlagen.

Vielen Dank für das spannende Gespräch!
Sandra


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