ein grinsender, grauhaariger Mann sitzt im Anzug auf einer Firmenterrasse

“Neue Tarife entwickeln macht Spass!” | Pricing

Was heute einer unserer Blogbeiträge ist, war früher der Zeitungsartikel und über genau solch einen hat Dirk Stöhr zur Baloise gefunden. “Da gab es dieses sympathische Porträt zweier Mitarbeitender. Das hat mich so angesprochen, dass ich mich spontan beworben habe. Nun arbeite ich seit 17 Jahren hier.” Erste Eindrücke bei einem Versicherer sammelte Dirk während seines Mathematikstudiums. Danach arbeitete er einige Jahre für eine Bank im Risk & Asset Management bevor er endgültig zu uns kam. Viel Projektarbeit – zuerst in der Produkt- und Systementwicklung, später im Pricing – alles Bereiche, in denen Dirk sich aufgehoben fühlt. “Meine Arbeit beschäftigt sich immer mit der Zukunft. Das finde ich spannend”, sagt er. Aber das ist nur ein Punkt, warum Dirk diese Leidenschaft für Prämien, Analysen und Produkte verspürt.

Pricing ist Preisgestaltung und Vieles mehr

Wie müssen Prämien ausgestaltet sein, damit die Baloise wirtschaftlich bleibt? – Mit solchen Fragestellungen beschäftigt sich der 50-jährige in seinem Job. “Es geht um Annahmen und Statistiken, um Modelle wie sich Schadenfälle entwickelt haben und entwickeln werden. Das analysieren wir anhand unseres eigenen Bestands oder mit Hilfe anonymisierter Datenpools. Wir untersuchen z.B. verschiedene Alterssegmente, schauen uns bestimmte Tendenzen im Markt an und gestalten anhand unserer Ergebnisse die Preisstruktur für unsere Produkte.” Etwa alle fünf Jahre ist der Rhythmus, in dem grosse Anpassungen vorgenommen werden. Dazwischen sind jedes Jahr kleinere Justierungen und Neuerungen dran. Man merkt, für Dirk ist das keinesfalls trockene Materie. Zahlen bergen für ihn eine gewisse Faszination.

Pricing | Zwischen Ruhe und Sturm

Ganz generell lässt sich sagen: Dirk beschäftigt sich mit Risiken aller Art und versucht sie mit einem Preisschild zu versehen. Einem Preis, der Schäden im Schnitt deckt, genügend Sicherheit für schlechte Zeiten bietet und konkurrenzfähig ist. Aktuell beschäftigen ihn vor allem die Risiken, die in der beruflichen Vorsorge versichert werden. Also, invalid zu werden, zu sterben oder – auch ein Risiko – nach der Pensionierung noch sehr lang zu leben. Sein Büroalltag ordnet sich irgendwo zwischen Langzeitprojekten und adhoc-Aufgaben ein. “Stellen wir uns vor”, erklärt er an einem Beispiel, “eine Kundengruppe fällt dadurch auf, dass kaum jemand invalid wird. Dann überlegen wir uns, wie das im Preis adäquat berücksichtigt werden kann ohne andere zu benachteiligen. Darauf legt der Gesetzgeber besonders wert.” Solche Fragestellungen haben viel mit Ausprobieren und Entwickeln zu tun und so etwas braucht Zeit. “Anderntags hingegen soll etwas schnell für die Finanzmarktaufsicht (Finma) erarbeitet. Oder es geht um Spezialofferten für potentielle Grosskunden. Das bedeutet dann Druck für mein Team. In so einem Fall bleiben wir auch mal länger bis alles fertig ist. Aber das sind die Ausnahmen.”

Zahlenfetischisten mit Fingerspitzengefühl

Alles, was Dirk und sein Team in Absprache mit anderen Fachbereichen erarbeiten, die Preisstruktur, die sie entwickeln, bedarf der Abnahme durch die Finma. Im Vorfeld wird sondiert, ob die Ideen ok sind. Das muss man sich tatsächlich wie bei einem Vortrag vorstellen. Dirk geht mit Powerpoint Folien in ein entsprechendes Gremium. Er präsentiert und holt Feedack ein. Schliesslich werden alle Überlegungen, Formeln und Parameter in einem Dokument zusammengefasst. Dann geht es um die Beantragung der Genehmigung und die Finma sagt Go or No Go!

“Im ersten Entscheid ist es oft Letzteres”, schmunzelt Dirk. “Es gibt immer irgendwas nachzubessern, Kritik oder einfach nur Verständnisfragen. Nachvollziehbar und überzeugend müssen unsere Ausführungen sein. Das ist manchmal wie Schach spielen. Was erreiche ich mit welchem Argument und welchen Rattenschwanz an Bedenken oder Fragen löse ich aus? Super spannend und super anspruchsvoll.” In diesem Zusammenhang beschreibt Dirk wie wichtig es ist, komplexe Sachverhalte leicht verständlich erläutern zu können. Zum Pricing gehört also auch eine virtuose Kommunikation.

Pricing | Weiterbildung ist Pflicht

Momentan tun sich in Dirks Arbeitsumfeld rasante Veränderungen und unzählige neue Möglichkeiten auf. Das Marktumfeld ändert sich drastisch, aber auch Themen wie Machine Learning und künstliche Intelligenz werden in immer mehr Zusammenhängen genutzt bzw. bieten neue Chancen. “Da musst du natürlich up to date bleiben”, betont Dirk, “musst Fachliteratur lesen, zu Fachtagungen fahren, dich mit entsprechenden Leuten austauschen. Sonst bleibst du auf der Strecke.” Sein Wissensdurst war vor nicht allzu langer Zeit so gross, dass sich der Familienvater entschied, für dreieinhalb Jahre ein berufsbegleitendes Masterstudium zu absolvieren. Dabei hat ihn die Baloise stets unterstützt. “Studienzeit gilt als Arbeitszeit solange ich die Uni besuche. Für diese Möglichkeit bin ich dankbar.” Mit dem Studium zum Aktuar SAV konnte Dirk sein Praktikerwissen durch solide Grundlagen in der Methodik vertiefen. “Das ist Gold wert”, sagt er, “ich kann meine Kenntnisse heute viel breiter anwenden und fühle mich sicherer.”


Exkurs | Cyberversicherung & Machine Learning

Zwei Bereiche, die in Dirks Umfeld immer mehr an Bedeutung gewinnen.

 Juliane Noel, 27 ist Teil einer Projektgruppe, die sich mit dem Thema Cyberversicherung auseinandersetzt. Welche Risiken gibt es? Welche Bedürfnisse haben die Kunden? “Wir beschäftigen uns z.B. mit einem möglichen “Hackerangriff und Datenklau” bei unseren KMU-Kunden. Wie können wir dieses Risiko versichern und wie im Ernstfall entschädigen? Das ist völliges Neuland. Es gibt im Prinzip keine Erfahrungswerte, die in unsere Rechenmodelle einfliessen können. Keine Historien zu Schäden. Man fängt quasi von null an und findet einen Weg, Vieles neu zu definieren. Aber genau das wiederum ist sehr reizvoll.”

Für Wolfram Fischer, 36 eröffnet das Thema Machine Learning der Baloise als Versicherer neue Welten. Es geht darum, eine Fülle von Daten automatisch zu verarbeiten und Systeme selbstständig Entscheidungen treffen zu lassen. “Beispielsweise ist Machine Learning Grundlage für die Bilderkennung bei unserer Uhrenversicherung. Dafür wurden abertausende Beispielbilder und Ansichten von Uhren benutzt. Die App erkennt nun sämtliche Marken und Modelle, so dass wir sie individuell versichern können.” Auch im Bereich Chatbots gewinnt das Thema an Bedeutung. “Für uns im Pricing ist es extrem spannend, so nah an den aktuellen Entwicklungen teilhaben zu können.”


Arbeitsatmosphäre im Pricing

Dirk beschreibt sie “irgendwo zwischen konzentriertem Fokus und heissen, fachlichen Diskussionen.” Mitunter wird es lebendiger im Grossraumbüro. Anfragen, die die Abteilung erreichen, aber auch Entwicklungen im Marktumfeld oder in der Politik, werden gemeinsam besprochen. Dann zirkulieren Ideen, manches wird als “versicherungstechnischer Unsinn” verworfen, anderes aufgegriffen, ausgearbeitet und final umgesetzt. “Wir sind immer gefordert, qualifiziert Stellung zu nehmen. Wir hinterfragen und zeigen Alternativen auf. Insgesamt denken wir eher langfristig (nachhaltig) und sind extrem lösungsorientiert unterwegs.” Kürzlich hat sich das Team experimentell agilen Arbeitsmethoden genähert. Das war neu und interessant, aber Dirks Fazit lautet: “Es passt nicht für alle Bereiche und alle Situationen. Es ist gut, wenn Fachspezialisten aus ganz verschiedenen Bereichen zusammenfinden, eine Idee lostreten und grob ausarbeiten, aber das Finetuning – also, das tatsächliche Ausarbeiten mit Blick auf die Umsetzung – gehört nach meinen Erfahrungen wiederum in die zuständigen Teams.”


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