zwei Frauen sitzen im Gespräch

Begegnungen | Eine Predigt

“Guten Morgen!”

Mein Gruss im Fahrstuhl trifft auf eine gewisse Unsicherheit in der Runde der mitfahrenden KollegInnen. Ein leises, fast gehauchtes “Morgen” – und ich spüre diese Anspannung im Fahrstuhl, dieses Nicht-Wissen-Wohin-Schauen-Und-Was-Jetzt- Sagen. Wir begegnen uns mit einem Lächeln – steht auf dem Aushang an der Liftwand. Ich denke über das Wort “Begegnung” nach und es kommt mir selber irgendwie sperrig vor, wenn ich es mir laut vorsage: BE-GEG-NUNG. Daher wird das Wort in Texten oft begleitet und steht kaum allein.

Adjektive beschreiben eine Begegnung als: Spannend, persönlich, fröhlich und auch mal als zufällig, flüchtig. Adverbien finden sich nahe an der Begegnung wie: Gemeinsam, einvernehmlich. Begleitende Substantive sind: Treffen, Austausch, Kontakt, Gespräch. Verben, die “Begegnung” begleiten wie: Erleben, gewinnen, erinnern und schildern machen die “Begegnung” als Wort lebendig. Eine nahe gehende Begegnung, eine beeindruckende Erfahrung. Ich erinnere mich an unsere letzte, spannende Begegnung. Ein persönliches, einvernehmliches Treffen… Das Gespräch miteinander… Auf einmal löst das sperrige Wort Bilder in meinem Kopf aus: Erinnerungen, Gefühle. Es bekommt einen Wert, vielleicht auch eine Wertung.

Welchen Wert messen wir unseren alltäglichen Begegnungen mit den Kolleginnen und Kollegen bei? Das Wort selbst ist neutral. Der Inhalt wird von uns gestaltet, Auswirkung und Wertung durch unsere Haltung mitgegeben. Der Philosoph und Schriftsteller Martin Buber hat einmal festgestellt: “Leben ist Begegnung”.

Begegnung ist in jedem Fall ein gegenseitiger Austausch, also auch eine Bewegung, ein Geben und Nehmen. Lasse ich mich auf mein Gegenüber ein, eröffne ich ihm /ihr Gestaltungsspielraum und die Möglichkeit eines vertrauensvollen Miteinanders. Mit einem Lächeln begleitet, ehrlichem Interesse, wertfreier, neugieriger Offenheit im Zusammentreffen kann Begegnung gelingen.

Ein grosses Kuchenstück unserer Zeit verbringen wir in unserem beruflichen Umfeld. Gelingende Begegnungen und wachsendes Vertrauen in den kollegialen Beziehungen schaffen ein Umfeld, in dem wir uns gerne bewegen. Darin liegt dann auch Akzeptanz und Anerkennung. Ein einfacher, erster Schritt: Mal wieder den Blick von Tastatur und Smartphone heben und die echte Begegnung suchen.

Und: Lächeln steckt an.


Autorin: Sabine Mäurer, Senior Project Manager, Black Belt, Lean Navigatorin im Lean Office, Operations & IT.

(1961, D/CH M.A. phil.) studierte an der Universität Tübingen und der FU Berlin Sprach – und Literaturwissenschaft, anschliessend war sie im Bereich Projekt- und Supply Chain Management bei DaimlerChrysler Stuttgart, Berlin, Zürich), in der Credit Suisse (Zürich, Tokyo, Breslau, Luxembourg), Swisscard AECS und bei Strellson (Kreuzlingen) in verschiedenen Aufgaben – und Themenfeldern tätig. Im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Credit Suisse absolvierte sie an der Universität Zürich das Studium der Betriebswirtschaftslehre. 2013 wechselte sie in das Lean Office bei der Basler Versicherung. Das Lean Office bietet Unterstützung im Bereich des Lean – und Projektmanagement, in Fragestellungen der Organisationsberatung, in Change Management und Coaching.

Seit Herbst 2015 studiert die Autorin berufsbegleitend an der Universität Basel im Quereinstieg Theologie. Der Text versteht sich als “experimentelle Predigt” mit dem besonderen Bezug zur Baloise.

 


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